Reaktionen nach einer Vergewaltigung
Wie auch immer Sie nach einer Vergewaltigung reagieren,
ob wie gelähmt oder ganz ruhig, ob mit Wut, Trauer, Ohnmachtsgefühl,
Angst oder anders. Es gibt keine Standardreaktion, was immer Ihre Umwelt
dazu meint.
Niemals trifft Sie die Schuld, egal was Sie getan, gesagt, nicht getan,
nicht gesagt haben.
Über die Vergewaltigung mit anderen Frauen zu reden, kann dazu beitragen,
das Geschehen klarer zu machen und helfen, damit zu leben.
Darüber zu lesen, dass viele andere Frauen ähnliches erlebt
haben, kann helfen, damit zu leben.
In einer Selbsthilfegruppe mitzumachen, kann helfen, damit zu leben.
Die Gefühle zu Papier zu bringen, sei es geschrieben, gemalt oder
anders, kann helfen, damit zu leben.
Jede Ihrer Reaktion ist angemessen und richtig.
Ärztliche Untersuchung

In jedem Fall ist es wichtig, dass Sie so bald wie möglich
zu einer Frauenärztin oder einem Frauenarzt, zu der/dem Sie Vertrauen
haben, gehen. Dies ist, auch wenn Sie einer ärztlichen Versorgung
nicht unbedingt bedürfen und noch nicht wissen, ob sie den Täter
anzeigen wollen, von Vorteil: So gehen Spuren und mögliche Beweise
für spätere Ermittlungen nicht verloren.
Lassen Sie sich auf Verletzungen, schmerzhafte Stellen,
Sperma, auf Geschlechtskrankheiten, Schwangerschaft und u. U. auf AIDS
untersuchen. Über den Befund sollte ein Gutachten, zumindest aber
eine Bescheinigung ausgestellt werden, in dem auch Angaben über blaue
Flecken und einen möglichen Schockzustand enthalten sind.
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Anzeige: JA / NEIN
Es kann sein, dass Sie sich nicht sicher sind, ob Sie
den Vergewaltiger anzeigen wollen. Nehmen Sie sich für eine solche
Entscheidung Zeit und lassen Sie sich von niemandem unter Druck setzen.
Sie können eine Anzeige auch noch nach Tagen, Monaten oder Jahren
erstatten.
Nur Sie alleine können beurteilen, ob in
dieser ambivalenten Situation für Sie persönlich die Vorteile
oder die Nachteile überwiegen.
Vorteile:
Die Vorteile einer Anzeige liegen prinzipiell darin, die erlittene sexualisierte
Gewalt öffentlich zu machen und vor allem, sich zumindest im Nachhinein
aktiv gegen den Täter zur Wehr setzen zu können. Dies ist eine
Möglichkeit, den übermächtigen Gefühlen von Hilflosigkeit
und Ohnmacht wenigstens ein Stück weit entgegenzuwirken und so das
Erlebte möglicherweise besser zu verarbeiten.
Außerdem wird der Vergewaltiger durch eine Anzeige zur Verantwortung
gezogen und im Falle seiner Verurteilung vor erneuten Übergriffen
eher zurückschrecken als wenn die Tat selbst für ihn folgenlos
bleibt.
Nachteile:
Gegen eine Anzeige spricht vor allem, dass das Ermittlungsverfahren und
der Prozess von vielen Frauen als sehr belastend empfunden werden.
Sie müssen damit rechnen, dass Sie im Verfahren, sowohl durch die
Polizei als auch später bei der gerichtlichen Verhandlung detailliert
zum Tathergang befragt werden. Dadurch werden Sie sich an Gefühle
und Erlebnisse erinnern, die sie am liebsten vergessen würden. Zu
erwarten ist außerdem, dass besonders der Verteidiger des Angeklagten
versuchen wird, Ihre Aussagen unglaubwürdig zu machen. Auch wird
es für Sie nicht zu umgehen sein, während des Verfahrens erneut
mit dem Täter konfrontiert zu werden.
Haben Sie Anzeige erstattet, kann diese nicht mehr zurückgezogen
werden, denn Polizei und Staatsanwaltschaft sind zu weiteren Ermittlungen
verpflichtet, da es sich bei einer Vergewaltigung um ein Offizialdelikt
handelt.
Sprechen Sie mit einer Vertrauensperson Ihrer Wahl.
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